
Drei Eisbären zum Frühstück: So lief meine Spitzbergen-Expedition
Manche Reiseziele tragt ihr jahrelang mit euch herum. Spitzbergen war für mich genau so ein Ort. Die raue Schönheit der Arktis, gewaltige Gletscher, Eisbären in freier Wildbahn, die unendliche Weite des Eises – all das stand schon lange ganz oben auf meiner Bucket List. Anfang Juni wurde dieser Traum Wirklichkeit.
Kurz zu mir: Ich bin Tanita und arbeite seit einem Jahr bei Inventia als Daten- und Content Managerin. Ich halte unsere Reiseseiten aktuell, passe Preise an und nehme neue Reisen in unser Portfolio auf. Diese Expeditionsreise selbst zu erleben, hat mich deshalb besonders gefreut. Die Eindrücke vor Ort helfen mir, unsere Reisen besser zu kennen und sie euch künftig noch authentischer zu zeigen.
Diese Reise selbst erleben: Spitzbergen-Abenteuer mit der MS Quest

Routenkarte der Spitzbergen-Expedition | © inventia / Mapstudio
Anreise nach Spitzbergen
Die Reise begann an einem Mittwochnachmittag mit dem Flug von München nach Oslo. Nach einer Übernachtung direkt im Flughafenhotel – diese Entscheidung kann ich jedem empfehlen – ging es am nächsten Morgen weiter nach Longyearbyen, der nördlichsten Stadt der Welt.
Schon während der kurzen Busfahrt zum Hotel “The Vault” beeindruckten mich die ersten Ausblicke auf die schroffen Berge und das arktische Meer. Nach einer kurzen Pause zog es mich direkt hinaus, um Longyearbyen auf eigene Faust zu erkunden.
Beim ersten Spaziergang traf ich schon auf Spitzbergen-Rentiere und zahlreiche Eiderenten. Auch der Besuch des Nordpol-Expeditions-Museums blieb mir in Erinnerung: Es zeigt, wie viele Expeditionen zum Nordpol aufgebrochen sind und was diese Menschen erlebt haben.
Der Freitagvormittag stand ebenfalls zur freien Verfügung. Mit einer Mitreisenden, die ich beim Frühstück kennengelernt hatte, spazierte ich hinauf zur Kirche von Longyearbyen. Von dort blickt man über den Ort, den Fjord und den Hafen, in dem unser Expeditionsschiff, die MS Quest, schon auf uns wartete.

Longyearbyen mit MS Quest im Hafen | © Tanita
Nach dem gemeinsamen Mittagessen mit der Reisegruppe im Restaurant “Svalbar” besuchten wir das Svalbard Museum, bevor es endlich an Bord ging. Sicherheitseinweisung, Vorstellung der Guides und der Crew, das erste gemeinsame Abendessen – dann begann unsere Reise in die Arktis.
An Bord der MS Quest
Die MS Quest wurde uns für die kommenden Tage zum Zuhause: ein 1992 gebautes Expeditionsschiff mit Platz für maximal 50 Passagiere. Ihre kompakte Größe bringt sie in abgelegene Fjorde und an Anlandestellen, die größeren Schiffen seit den neuen Regularien in Spitzbergen oft verwehrt bleiben.
Genau diese Größe machte die Reise so angenehm. Mit nur 50 Gästen an Bord herrschte eine entspannte, persönliche Atmosphäre. Die Abläufe liefen unkompliziert, ohne lange Wartezeiten. So blieb mehr Zeit für das, worauf es bei einer Expeditionsreise ankommt: die Natur, die Tierwelt, die Stille der Arktis.
Die offene Brücke gehörte für mich zu den Höhepunkten. Nach kurzer Rücksprache mit der Crew durften wir den Kapitän und seine Mannschaft bei der Navigation durch die arktischen Gewässer beobachten.
Jeder Tag an Bord folgte einem festen Rhythmus und ließ trotzdem Raum für spontane Erlebnisse. Nach dem Frühstück starteten wir, je nach Wetter und Eisbedingungen, zu einer Zodiacfahrt oder zu einem Landgang. Nach dem Mittagessen folgte meist eine zweite Aktivität. So blieb kein Tag ohne neue Eindrücke.

Zodiacfahrt durch das Packeis | © Tanita
Zu jeder Zodiacfahrt gehörte eine feste Routine: warme Kleidung anziehen, in den Überlebensanzug schlüpfen, die Rettungsweste anlegen. Vor dem Verlassen der MS Quest und nach der Rückkehr trugen wir uns jeweils in eine Liste ein oder aus. So wusste die Crew jederzeit, wer sich an Bord, auf einem Zodiac oder an Land befand. Von Deck 2 aus stiegen wir mit Unterstützung des Sicherheitsteams nacheinander in die Zodiacs. Jedes der fünf Schlauchboote fasste bis zu zehn Gäste und einen Guide. Weil die Expedition zweisprachig lief, auf Deutsch und Englisch, teilten sich die Boote nach Sprache auf.
Vor dem Abendessen fand täglich das Recap statt. Das Expeditionsteam ließ den Tag Revue passieren und stellte den Plan für den nächsten Tag vor, immer mit der nötigen Flexibilität. Wetter, Eis und Tierbeobachtungen bestimmten den Ablauf.
Zwischen den Ausflügen hielten die Guides Vorträge über die Tierwelt und Natur Spitzbergens. Robben, Walrosse, das Packeis, Eisbären, der Klimawandel: Die Expedition wurde dadurch auch zu einer Lernreise.
Fünf Guides begleiteten uns: Expeditionsleiterin Elke sowie Johnny, Debbie, Carina und Alex. Mit ihrem Fachwissen, ihrer Begeisterung und ihrem Gespür für die Natur machten sie jede Begegnung mit der arktischen Tierwelt zu etwas Besonderem.
Der perfekte Start – Drei Eisbären zum Frühstück
Die erste Nacht auf See war alles andere als ruhig. Umso schöner war es, am nächsten Morgen von strahlendem Sonnenschein geweckt zu werden.
Während wir noch beim Frühstück saßen, ertönte plötzlich eine Durchsage, die wohl jeder Expeditionsreisende hören möchte: “Wir haben einen Eisbären entdeckt!”
Innerhalb weniger Minuten war das Frühstück vergessen. Dick eingepackt, mit Kamera und Fernglas, versammelten sich alle an Deck.

Eisbären bei Smeerenburg | © Tanita
Was mit einem einzelnen Eisbären begann, wurde schnell zu einer außergewöhnlichen Sichtung von gleich drei Tieren. Über längere Zeit konnten wir die Eisbären völlig ungestört in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten. Diesen Moment in Worte zu fassen, fällt mir bis heute schwer.
Mit dem Zodiac zwischen Eisbergen und Gletschern
Am Nachmittag erreichten wir den Fuglefjord. Dort stand unsere erste Zodiacfahrt auf dem Programm.
Mit Überlebensanzug und Rettungsweste ging es hinaus zwischen Eisberge und treibende Eisschollen. Aus Sicherheitsgründen kamen wir nur bis auf etwa 500 Meter an den Gletscher heran, trotzdem wirkte er zum Greifen nah – eine faszinierende optische Täuschung.

Treibeis im Fuglefjord | © Tanita
Bei strahlendem Sonnenschein zwischen Eisbergen hindurchzugleiten: Das gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen dieser Reise.
Vogelfelsen, Walrosse und ein Spaziergang auf dem Meereis
Am nächsten Morgen zeigte sich die Arktis von ihrer raueren Seite. Starker Wind und dichter Nebel begleiteten unsere Zodiacfahrt entlang des Alkefjellet, einer gewaltigen Vogelfelswand, an der rund 60.000 Paare Dickschnabellummen brüten.

Vogelfelsen Alkefjellet mit Ringelgänsen | © Tanita
Zwischen den Felsen entdeckten wir außerdem zwei Polarfüchse mitten im Fellwechsel, vom weißen Winter- zum braunen Sommerfell.
Am Nachmittag führte uns die Fahrt weiter in die Hinlopenstraße hinein ins Packeis. Immer wieder sichteten wir Walrosse, die auf Eisschollen ruhten. Sobald die Guides oder die Crew Tiere entdeckten, brachte der Kapitän das Schiff vorsichtig näher, ohne sie zu stören.
Am Abend wartete dann noch etwas Besonderes auf uns. Nachdem die MS Quest sicher im Packeis festgemacht hatte und die Guides die Stabilität geprüft hatten, durften wir das Packeis selbst betreten, ausgestattet mit Rettungsweste und Gummistiefeln.
Mitten im arktischen Ozean auf dem Eis zu stehen, umgeben von völliger Stille: Das gehört ohne Zweifel zu den unvergesslichsten Momenten der ganzen Reise.
Noch mehr Begegnungen mit der Tierwelt
Auch der folgende Tag brachte weitere Höhepunkte. Wieder entdeckten wir einen Eisbären, diesmal etwas weiter entfernt, wie er gemächlich über das Eis wanderte. Am Nachmittag führte uns eine weitere Zodiacfahrt durch Eislandschaften in unterschiedlichsten Formen und Blautönen.
Zum Abschluss wartete noch ein Walross, das entspannt auf einer Eisscholle lag und sich aus nächster Nähe beobachten ließ.
Wer wollte, konnte anschließend beim traditionellen Polar Plunge den Sprung ins eiskalte Wasser wagen. Ich überließ dieses Abenteuer lieber den Mutigen und feuerte sie gemeinsam mit den übrigen Gästen vom Schiff aus an.
Geschichte, Natur und gemeinsamer Einsatz
An der Mosselbukta erwartete uns eine wunderschöne Landschaft und ein Stück Polargeschichte. Von hier aus wollte der schwedische Polarforscher Adolf Erik Nordenskiöld 1872 mit Rentieren den Nordpol erreichen. Das Vorhaben scheiterte.
Während unseres Landgangs wurde uns klar: Selbst die entlegensten Regionen der Erde bleiben nicht von Umweltverschmutzung verschont. Gemeinsam sammelten wir den Müll ein, den Meeresströmungen an den Strand gespült hatten. Zwischen Treibholz und Steinen fanden sich Bojen, Fischereiausrüstung, Verpackungsmaterial, Plastikkanister, sogar Fußmatten – Gegenstände, die tausende Kilometer zurückgelegt hatten, bevor sie an dieser abgelegenen Küste landeten.
Ein nachdenklich stimmender Moment: Selbst in einer der letzten großen Wildnisse der Erde hinterlässt der Mensch seine Spuren. Weil wir den Müll nicht mit an Bord nehmen konnten, richteten wir am Strand einen Sammelplatz ein. Ein Versorgungsschiff holt die Abfälle später ab und entsorgt sie.
Später führte uns eine Wanderung in Femmelsjön durch eine Gletscherlandschaft mit kleinen Schluchten, schneebedeckten Hängen und neugierigen Rentieren, die erstaunlich nah an uns herankamen.
Belugas, Bartrobben und die nördlichste Siedlung der Welt
Ein weiterer Höhepunkt wartete am Kongsbreen-Gletscher. Während unserer Zodiacfahrt erlebten wir abbrechende Eisstücke, Eisformationen in ungewöhnlichen Formen sowie Belugawale und Bartrobben – ein Naturschauspiel, das ich nicht vergessen werde.

Bartrobbe bei Kongsbreen | © Tanita
Am Nachmittag besuchten wir Ny-Ålesund, eine der nördlichsten dauerhaft bewohnten Siedlungen der Welt und heute ein bedeutender internationaler Forschungsstandort.
Unsere Guides erzählten viel über die Geschichte des Ortes. Besonders beeindruckend fand ich den historischen Ankermast, von dem aus Roald Amundsen, Lincoln Ellsworth und Umberto Nobile 1926 mit dem Luftschiff Norge zum Nordpol aufbrachen und ihr Ziel erreichten.
Den Abend ließen wir bei einem Polar-BBQ an Deck ausklingen. Trotz niedriger Temperaturen sorgten gutes Essen, Musik und die Kulisse für einen stimmungsvollen Abschluss des Tages.
Walrosse zum Abschied
Am letzten Expeditionstag zeigte Spitzbergen noch einmal seine ganze Vielfalt. In der Borebukta näherten wir uns zunächst einer kleinen Insel vor dem Borebreen-Gletscher. Anschließend ging es weiter zu einer Landzunge mit einer Walrosskolonie. Ruhig und mit großem Respekt beobachteten wir die imposanten Tiere aus nächster Nähe.

Walrosskolonie in Borebukta | © Tanita
Zum Abschluss unserer Reise wanderten wir noch bei Diabasodden. Der Aufstieg belohnte uns mit einem Blick auf Papageitaucher und Krabbentaucher entlang der Steilküste.
Am Abend versammelten sich alle ein letztes Mal zum gemeinsamen Abendessen. Eine Diashow mit den schönsten Fotos und Videos der vergangenen Tage ließ die besonderen Momente noch einmal lebendig werden.
Spitzbergen, mit allen Sinnen erlebt
Spitzbergen ist mehr als ein Reiseziel. Man erlebt es mit allen Sinnen.
Die Begegnungen mit Eisbären, Walrossen, Polarfüchsen und Walen, die Fahrten durch das Packeis, die gewaltigen Gletscher, die Stille der Arktis: All das macht diese Expedition zu einer Reise, die lange nachwirkt.
Wer unberührte Natur liebt und sich auf die Unberechenbarkeit der Arktis einlässt, erlebt auf Spitzbergen unvergessliche Momente. Für mich war diese Reise die Erfüllung eines lang gehegten Traums, und mit Sicherheit nicht mein letzter Besuch im hohen Norden.
Sie war auch eine wertvolle Erfahrung für meine Arbeit bei Inventia. Die Reise selbst erlebt zu haben, gibt mir heute ein viel besseres Verständnis für unsere Expeditionsreisen und für das, was sie so besonders macht. Dieses Wissen und die vielen persönlichen Eindrücke motivieren mich in meiner täglichen Arbeit. Ich weiß jetzt aus eigener Erfahrung, wovon ich schreibe, und kenne die Erlebnisse, die unsere Gäste erwarten.
Was mich dabei besonders berührt: Bei Inventia bekommen wir als Team die Chance, diese Reisen nicht nur zu verkaufen, sondern selbst zu erleben. Das ist alles andere als selbstverständlich. Mich ans andere Ende der Welt zu schicken, damit ich danach mit echtem Wissen und echter Begeisterung darüber schreiben kann: Das zeigt mir, wie ernst Inventia die Arbeit seines Teams nimmt. Ich bin dankbar für diese Möglichkeit und für ein Team, das genau versteht, wie wichtig solche Erfahrungen für unsere Arbeit sind.
Lust auf deine eigene Spitzbergen-Expedition?
Genau diese Reise könnt ihr bei uns buchen: das Spitzbergen-Abenteuer mit der MS Quest. 9 Tage, davon 7 Nächte an Bord des Expeditionsschiffs, mit täglichen Zodiac-Ausfahrten und Landgängen zwischen Prinz Karls Forland, Virgohamna und den großen Fjorden Spitzbergens. Ihr reist zur Zeit der Mitternachtssonne, erlebt die arktische Tierwelt hautnah und werdet dabei von einem erfahrenen, zweisprachigen Expeditionsteam begleitet. Genau die Route, die ich euch hier beschrieben habe.

Reisefinder: Alle Antarktis-Reisen und Angebote auf einen Blick
Stöbern Sie durch den Kalender und finden Sie Ihre passende Antarktis-Reise
Stephanie Gräf
Reiseexpertin, inventia | Reisen jenseits vom Mittelmaß
Spezialist für individuelle und erlebnisreiche Reisen rund um den Globus.
Ich bin Ihre Ansprechpartnerin für Ihre Fragen & Buchungen rund um Ihre Reise.
Sie erreichen mich telefonisch oder per E-Mail:
+49 (0)201 858 90 960
welcome@inventia.de

Sie interessieren sich für die Antarktis, wissen aber nicht, wo Sie anfangen sollen?
Unser KOSTENLOSER Antarktis-Miniguide bringt Licht ins Eis.

Newsletter: Reisen jenseits vom Mittelmaß
Bleiben Sie mit uns in Kontakt und erhalten Sie regelmäßig unsere neusten Reiseideen.







