#Brexit.

So, da ist er. Der Brexit.

Der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union. Beziehungsweise die Entscheidung darüber. Der Antrag auf einen Ausstieg ist ja noch nicht in Brüssel eingegangen.

Dieser Volksentscheid ist interessant – insbesondere, weil sich anscheinend niemand darüber freut. Es gibt niemanden, der sich hinstellt und sagt „Wir haben gewonnen!“. Die Verantwortlichen der „Leave“-Bewegung sind ganz still – oder ziehen ihre Versprechen zurück.

Und der britische Premier? Jahrelang wetterte er gegen die EU, erbat sich Extrawürste und war immer nur „dagegen“. Am Ende, als er sein Volk endlich gegen die EU indoktriniert hatte, wurde ihm klar, dass die Folgen eines Austritts unüberschaubar sind und die Idee vielleicht doch nicht so gut. Er schwenkte um und warb ab sofort für einen Verbleib in der EU.

Zu spät. Interessant dabei: Die jungen Menschen wählten hauptsächlich für einen Verbleib in der EU. Aber die Alten, die wollten alles wie früher, denn „früher war alles besser“. Das Ergebnis fiel knapp aus, aber „knapp vorbei ist halt auch daneben“. Somit müssen nun ca. 49% der Briten mit einem Ergebnis leben, dass sie nicht wollten. Demokratie kann weh tun. Es gibt kein Opt-out, kein Zurück.

Kein Exit aus dem #Brexit. Klicken Sie um zu Tweeten

Ich fühle ganz besonders mit meinen britischen Freundinnen und Freunden, die Töchter und Söhne um die 20 haben, denen die Rentner-Generation eine internationale Berufskarriere und ein blühendes Privatleben geraubt hat. Die Kosten für die Umstrukturierung und die neue wirtschaftliche Isolation werden hauptsächlich sie zu tragen haben. Auch dann noch, wenn die Rentner schon gar nicht mehr da sind.

Nun kann man ja grundsätzlich und aus persönlichen Gründen gegen die EU sein. Und die Damen und Herren in Brüssel spielen den Gegnern sicherlich auch manchen Trumpf zu.

Als gebildeter und aufgeklärter Mensch, der auch im täglichen Leben Handeln und Konsequenzen verantwortungsbewusst abschätzt, weiß man, dass hier das große Ganze gesehen werden muss. Eine starke Gemeinschaft kann nur mit Kompromissen funktionieren. Und trotzdem muss jeder die Möglichkeit behalten können, seine Persönlichkeit zu leben. Oder im Falle von Ländern: Die Mentalität und Authentizität der Bevölkerung zu bewahren und zu fördern.

Großbritannien hat sich seine europäische „Insellage“ in mehrfacher Bedeutung des Wortes immer bewahrt. Und das nicht nur, indem es ganze drei Fußball-Teams zur Europameisterschaft schickten kann: England, Wales und Nord-Irland.

Sondern auch sonst:

Was bedeutet Reisen in der EU?

Was sind wohl die größten Vorteile auf Reisen für die Bürger eines EU-Staates?

1. Das passfreie Reisen. Keine Einreisekontrollen an den Grenzen innerhalb der Mitgliedsstaaten

Juhuuu. So schnell waren wir nie über die Grenzen nach Österreich, Frankreich und Italien. Ich kann mich noch an meine Kindheit erinnern, als wir zu Ferienbeginn stundenlang in Autoschlangen zwischen Lkw und anderen Familien vor der österreichischen Grenze standen, um den Großglockner zu erreichen. Und dann bei der Kontrolle Pässe zeigen. Anschließend noch Geld von D-Mark in Schilling (Kurs 1:7!) wechseln. Gut, die Vignette gibt es ja heute noch.

Keine Kontrollen an den Grenzen sind für uns Urlauber großartig und garantieren eine schnelle und sorgenfreie Anreise an das Reiseziel. Diese grenzenlose Reisefreiheit ist eine großartige Errungenschaft der EU. Wenn, ja, wenn da nicht Großbritannien wäre. Dazu später.

2. Die einheitliche Währung im Euroland

Ich kann mich noch erinnern (hört sich das jetzt alt an? Egal.): Der Euro wurde 2002 eingeführt. Das war genau das Jahr, in dem ich mich mit inventia selbstständig gemacht habe. Meine erste Auslandsreise ging mit einer Rundreisegruppe nach Frankreich an die schönen Schlösser der Loire. Ich war die Reiseleiterin, hinter mir ca. 50 Rentner und wir alle hatten die ersten Erfahrungen mit dem Euro im Ausland. Vor der Grenze kamen die ersten Fragen:

„Müssen wir die deutschen Euro an der Grenze in französische Euro umtauschen?“

„Wie hoch ist der Wechselkurs zwischen deutschen und französischen Euro?“

„Ich habe vom letzten Urlaub noch Französische Franken übrig. Muss ich die nun in französische Euro umwechseln?“

Was für uns heute nach knapp 15 Jahren Euro selbstverständlich ist, war zu diesem Zeitpunkt eine große Unbekannte. Erst durch die Fragen meiner Gäste ist mir bewusst geworden, dass hier ein großer Bedarf an anschaulicher und praxisnaher Information über Europa, die Europäische Union und den Euro besteht. Genauso, wie geographische und politische Informationen über das EU-Land selbst.

Großbritannien war nie richtig dabei.

Die beiden größten direkten Vorteile als EU-Bürger hat Großbritannien nie bedient!

Großbritannien hat sein britisches Pfund behalten und ist auch kein sogenannter Schengen-Staat

Das bedeutet: Bei Reisen auf die britische Insel muss nach wie vor der europäische Euro in britische Pfund gewechselt werden, der als offizielles Zahlungsmittel im Land gilt.

Und an der Grenze? Flüge nach Großbritannien fliegen von den Non-Schengen-Terminals der Flughäfen, an denen noch Vorrichtungen für Passkontrollen in Drittländer vorhanden sind. Bei Ankunft in Großbritannien und insbesondere an den großen Londoner Flughäfen entstehen zumeist lange Schlangen vor den Passkontrollen, die sich inklusive Abnahme von Fingerabdrücken und Iris-Fotografie sehr zeitaufwändig gestalten.

 

Womit bei Reisen nach Großbritannien zu rechnen ist?

Niemand kann abschätzen, wie sich der Brexit mittel- und langfristig auf die Wirtschaft und das Alltagsleben der Briten in vollem Umfang auswirken wird. Der Ausstieg soll ca. 2 Jahre dauern, andere Experten sprechen von bis zu 4 Jahren.

Kurzfristige wird es keine Veränderungen geben. Selbstverständlich werden Sie alle Neuigkeiten und Veränderungen in meinem Newsletter nachlesen können. (> Hier zum Newsletter anmelden <)

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Steigende Flugpreise

Die starke Konkurrenz der Fluggesellschaften und die Einführung der Billigflieger, wie zum Beispiel Easyjet, haben dafür Sorge getragen, dass Flüge nach Großbritannien zu einem Spottpreis angeboten wurden. Für Flugrouten innerhalb der Mitgliedsstaaten gelten zudem besondere (günstigere!) Preisbedingungen, als für Fluggesellschaften aus Drittstaaten. Durch EU-Abkommen wie zum Beispiel das sogenannte Open Skies Agreement sowie die Single Aviation Area konnten Fluggesellschaft der EU-Mitgliedsstaaten die Flugpreise um bis zu 40% senken, das Streckenangebot jedoch um 180% steigern. Als Drittland wird Großbritannien nun sämtliche Verträge, die auf EU-Basis entstanden sind, neu verhandeln müssen. Der EU-Bonus entfällt, die Preise werden steigen.

Keine Anwendung der EU-Fluggastrechte

Die Fluggesellschaften der EU-Mitgliedsstaaten haben sich gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung dazu verpflichtet, bei Flugverspätungen, Flugausfällen und -anullierungen die Passagiere angemessen zu entschädigen. Passagiere, die mit britischen Fluggesellschaften fliegen, genießen somit keinen Anspruch auf Entschädigung mehr, wenn ihr Flug aus Großbritannien verspätet oder gar nicht abfliegt. Das könnte ein Wettbewerbsnachteil für die britische Luftfahrt sein.

Allerdings gehören Island, Norwegen und die Schweiz auch nicht zur EU und haben sich den  EU-Fluggastrechten verprflichtet. Hier ist also das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Fehlender europäischer Krankenschutz

Die EHIC card (= European Health Insurance Card) bevollmächtigt den Inhaber zu derselben medizinischen Betreuung wie die Einheimischen. Jeder Bürger der Europäischen Union kann sie erhalten und sie innerhalb der Mitgliedsländer (und der Schweiz) einsetzen und nutzen.

Nach vollzogenem Austritt kann es dazu kommen, dass Sie Ihre Karte nicht mehr in Großbritannien einsetzen können.

WICHTIG: Die EHIC card ersetzt KEINE Auslandsreiseversicherung! Diese benötigen Sie unbedingt und immer ZUSÄTZLICH bei Auslandsreisen, da sie Ihnen auch die Kosten für Krankenhausaufenthalte, Rücktransporte und Rückführungen garantiert.

 

Sinkende Service-Qualität

Ca. 70% der Stellen im Dienstleistungssektor Tourismus werden von Migranten besetzt. Darunter viele Stellen, die Einheimische nicht belegen möchten. Das Recht der freien Berufswahl der EU-Mitgliedsstaaten besagt, daß sich ihre Bewohner den Ort, an dem sie wohnen und arbeiten möchten ohne weitere Genehmigungen selbst aussuchen können. Entfällt dieses Recht nun, werden viele Servicestellen un(ter)besetzt bleiben. Experten sprechen von 63.000 Stellen, die betroffen sein könnten.

Übrigens: Viele, die den Brexit befürworten, wünschten sich eine Reform der Einwandergesetze. Das Brexit sorgt nun nicht nur dafür, dass die Einwanderung nach Großbritannien reguliert wird. Es bedeutet auch, dass die britische Jugend nur noch unter erschwerten Bedingungen im Ausland studieren, wohnen und arbeiten kann. Ebenso eine ganz neue Existenzfrage für alle Briten, die sich beruflich bereits etwas im Ausland aufgebaut.

Verschäfte Einreisebedingungen

Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird sich wohl erst einmal nichts ändern. Großbritannien war nie Mitglied des Schengener Abkommens, dessen Teilnehmer auf Grenzkontrollen – bis auf einige Stichproben – verzichten. Der Einreiseprozess nach Großbritannien war schon immer zeitaufwändig. Lange Wege, Ausweiskontrolle und Irisscan brauchen ihre Zeit. Viele Geschäftsreisende und Touristen sollen bereits angekündigt haben, vorläufig nicht nach Großbritannien reisen zu wollen. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Einreisebedingungen für EU-Bürger über die bisherigen Kontrollen hinaus entwickeln werden.

Immer auf dem laufenden über Neuigkeiten bei der Einreise bleiben Sie auf der Seite des Auswärtigen Amts (für deutsche Staatsbürger).

 

Höhere Roaming-Gebühren beim telefonieren

Die EU hat die Kosten für das Roaming im EU-weiten Ausland gedeckelt. Telefonieren und Kurznachrichten innerhalb der Mitgliedsstaaten sind in den vergangenen Jahren immer günstiger geworden. 2017 sollen sie ganz abgeschafft werden. Damit könnten die Kosten für Reisende, die ihre heimischen Telefonkarten im britischen Telefonnetz nutzen, steigen.

 

Eine schwache britische Währung

Alarm an den Börsen und große Unsicherheit bei der Bevölkerung. Das Britische Pfund befindet sich auf einem Rekordtief. Die Lebenshaltungskosten der Briten haben sich auf einen Schlag immens erhöht. Aber des einen Leid, des anderen Freud: Das schwache Pfund macht Reisen innerhalb Großbritanniens günstiger für uns.

Übrigens: Das Rekordtief ihrer Währung macht das Reisen für Briten teuer und die Unsicherheit über die Zukunft könnte viele Briten vom Reisen abhalten, um Ihr Geld lieber zu sparen. Darunter werden auch viele europäische Reiseziele zu leiden haben, deren Hauptzielgruppe die Briten sind.

Einschränkungen bei der Sicherheit

Niemand kann jetzt voraussagen, wie sich der Austritt kurz-, mittel- und langfristig auf die Bewohner Großbritanniens auswirken wird. Welche Regierung wird übernehmen? Wie tief kann das Pfund noch sinken? Wie wirkt sich der Brexit auf mein Unternehmen aus? Welche Zukunftschancen haben meine Kinder und Enkel? Wird unser Sozialsystem das aushalten? Was passiert mit meinem Ersparten? Kann unser Finanzmarkt das aushalten? Welche Reformen wird es geben? Wird Chaos ausbrechen? Soviel Unsicherheit kann zu Kurzschlussreaktionen Einzelner und inneren Unruhen führen.

Irland bleibt Irland

Ein wenig Geographie:

Großbritannien besteht aus 4 Regionen: England (mit London), Wales (mit Cardiff), Schottland (mit Edinburgh) und Nord-Irland (mit Belfast). Obwohl Nord-Irland – geographisch betrachtet – auf der irischen Nachbarinsel liegt, gehört es mit allen Konsequenzen zu Großbritannien. Es wird mit Britischen Pfund bezahlt und Nord-Irland wird die EU zusammen mit Großbritannien verlassen.

Die Republik Irland (Hauptstadt Dublin) hingegen, der größere Teil der irischen Nachbarinsel, ist und bleibt vollkommen unabhängig und vollständiges Mitglied der Europäischen Union. Irland ist Mitglied des Schengener Abkommen (keine Grenzkontrollen) und gehört zum Euroland. Übrigens: Ein ganz besonderes Reiseland.

Ja, wahrscheinlich wird es ein Referendum für die Reunification von Irland und Nord-Irland geben und wahrscheinlich auch ein Referendum Schottlands zur Ablösung (Ab“schott“ung?) Englands. Aber daran möchte ich noch gar nicht denken.

 

Fazit:

Wenn Sie eine Reise nach Großbritannien geplant haben, werden Sie kurzfristig keine großartigen Veränderungen feststellen. Diese werden erst im Laufe der Zeit und mit nahendem Austrittsdatum in zwei Jahren nach und nach eingeführt. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Reiseagentur, die sie Ihnen gern beantworten wird.

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Beitragsbild: www.fotolia.com #113878585 Ezio Gutzemberg